Gedichte

Die Perspektive wechseln

Die Welt ist schön
Nein, zur Wahrheit gehört
Dass diese Welt nur Katastrophen produziert
Ich bin nicht überzeugt
Dass auf Anspannung Entspannung folgt
Dass ich zu mir selbst finden kann
Dass ich gelassen in die Zukunft schauen darf
Ist es doch eindeutig so
Dass unsere Welt endgültig aus den Fugen geraten ist
Ich kann und will nicht glauben
Dass der Mensch mehr ist als ein Zufallsprodukt
Dass ich die Welt mit anderen Augen sehen kann
Es ist doch offensichtlich
Dass Gott, wenn es ihn gibt, schweigt
Ich bin nicht überzeugt
Alles bleibt, wie es ist
Es wäre unehrlich zu sagen:
Das Leben ist lebenswert!

Und jetzt den Text andersherum, von unten nach oben, lesen.

2019

 

Unterwegs und unterwegs

Auf langen Straßen
und krummen Wegen
unterwegs und unterwegs
im Fluss beruflicher Zeit
selten einsam und allein
oft in Trubel und Lärm.

Nun der Herbst des Lebens
langsameren Schrittes
unterwegs und unterwegs
terminbefreit – zugleich
noch immer pflichtbereit
mit Blick auf die Vergangenheit.

Wieder neue Strecken genießen
voller Erfahrung ohne Zwang
unterwegs und unterwegs
neugierig auf Künftiges
den Blick zum Horizont
und fragend: Wer geht mit?

2018

Gelingendes Leben

Man wünscht sich oft die schönsten Gaben,
bevorzugt Geld, das wir nicht haben.

Dabei sind Zeit und Muße heute
Geschenke für gestresste Leute.

So wünsch ich Zeit dir für das Denken,
dazu auch Zeit, sie zu verschenken.

Aktiv sein, freuen, auch mal lachen,
das Beste aus den Tagen machen.

Der Mensch soll streben, wachsen, reifen,
auch gern mal nach den Sternen greifen.

Bestrebt sein, zu sich selbst zu finden,
den Sonnenstrahl als Glück empfinden.

Zu glauben, hoffen und zu lieben,
ist besser als ein Ziel verschieben.

Verzeihen, auch die Schuld vergeben
Garant für ein geglücktes Leben.

Das Große in dem Kleinen schauen,
so neue Perspektiven bauen.

Vertrauen haben und auch geben
sei die Devise für dein Leben.

2017

Wangerooger Inselrhythmus

Die östlichste schöne Perle auf der Inselschnur Ostfrieslands.
Mit ruckelnder Bahn vom Hafen zum Alten Leuchtturm.
Weltnaturerbe Wattenmeer mit seiner Salzwiesenidylle.
Spitzschnäblige Strandläufer und pfeilschnelle Möwen,
die Luftakrobaten der Nordseeküste.
Der beständige Wind flüstert Wangerooger Eilandsgrüße.
Rauschende Brandung und stäubende Weißdünen
vor sich türmenden Wolkengebirgen.
Vorbeiziehende Schiffe am fernen Nordhorizont.
Meine Gedanken verlieren sich in der Weite.
Fern ist alle Festlandshektik.
Nun mag die Seele baumeln:
Geruhsame Entschleunigung im ewigen Inselrhythmus.

2016

Münster zur Nacht

Mild beleuchtet, wie aus Fächern,
Liegt der Dom im Abendschein.
Über Altstadtkirchen, Dächern
Sinken Dunkelheiten ein.

Wo am Morgen Einkaufstrubel,
Jeder wollt‘ der Erste sein,
Laute Stimmen, Hektik, Jubel,
Zieht jetzt merklich Ruhe ein.

Sankt Lambertis mächt’ge Streben
Schimmern hell in Mondes Schein,
Wollen manchen Schatten weben,
Laden zum Verweilen ein.

Münsters Rathaus und Stadtweinhaus
Halten die verdiente Ruh.
Auch die Kneipen machen Kehraus,
Schließen bald die Türen zu.

Und so sinkt die Stadt in Schlummer,
ruht sich bis zum Morgen aus.
Fern liegt ihr jetzt jeder Kummer,
aller Tageshektik Braus.

Regt sich neues Leben wieder
In des Morgens frischer Luft,
Putzt die Stadt sich ihr Gefieder
Und genießt des Tages Duft.

2015

Segen

Wirf einen Blick zurück
auf die spannenden Schritte des Lebens:
Sie fügten sich zu einem Weg,
auf dem du zum einzigartigen,
unverwechselbaren ICH gereift bist.

Schau nun nach vorn auf das,
was auf dich zukommen wird –
in Zuversicht, Gelassenheit und Neugier.
Aber vor allem:
Lebe im Hier und Jetzt.

Schau auf den Glanz deines Schöpfergottes,
der dein Leben, den heutigen Tag,
diese Stunde, jeden Augenblick
zum kostbaren Geschenk macht.
Dank ihm dafür.

Wage deinen nächsten Schritt
mit Optimismus und heiterem Sinn.
Achte auf den Stern über dir,
der dir den Weg anzeigt.
Du bist nicht allein. Gott geht den Weg mit dir.

2014

Prosit Neujahr

Die Wochen verwehen,
Geschehenes verrinnt,
Monate vergehen,
Ein neue Jahr beginnt.
Prosis, anne nove!

1. Januar 1990

Frühling

Taufrischer Frühling
kommt uns entgegen,
behutsam noch,
auf unseren Wegen.

Wo sich in Baum und Strauch
erste Knospen zeigen,
jubilieren flügelschlagend
Vögel in den Zweigen.

Erste Käfer krabbeln,
Spatzen lärmen, Bienen summen,
das Lachen spielender Kinder
will nicht mehr verstummen.

Junge Leute haben Lust,
in den Mai zu tanzen,
packen für den Feierabend
Rucksack und Ranzen.

So spazieren und radeln sie
in eine neue Welt.
Denn den Sonnenschein
gibt´s umsonst, ohne Geld.

April 2004

Sommersonnenwolken

Sommersonnenwolken
reisen sorglos
weißen Schiffen gleich
auf hellblauen Ozeanen
mit Rückenwind dahin.

Sommersonnenwolken
stellen verspielt
ihr aufgetürmtes Federkleid
aufreizend in den Wind
als gäb es kein Morgen.

Sonnensonnenwolken
fragen nicht
nach woher und wohin
ziehen weiter und weiter
ohne jedes Gepäck.

Juli 1981


Junger Sommermorgen

Himmelan stürmende
wogende Baumwipfel,
auf massigem Eichenfuß stehend,
strecken das Blätterdach
in die belebende Frische
des jungen Sommermorgens.

Noch schüchtern ertasten
erste wärmende Sonnenstrahlen
taublinkendes Rasengrün.
Früh aufgestandene Vögel
putzen ihr samtenes Gefieder,
begrüßen tirilierend den Tag.

Nur langsam löst sich
der weiße Dunsthauch am Horizont.
Dumpf kauende Kühe
glotzen gleichmütig
auf vorbeiradelnde Kinder.
Tauben suchen flügelschlagend das Weite.
In der Ferne bringt sich raunend
der Berufsverkehr in Erinnerung.

Mensch und Natur
reiben sich den Schlaf aus den Augen.
Noch viele Stunden trennen den Feiermorgen
vom fern lockenden Feierabend.

Juni 2003

Herbstzeit

Milchig wabert
der nasse Graudunst.
Weißer Sonnenstrahl
durchsticht ihn mit Inbrunst.
Herbstzeit ist.

In den Gräsern
liegt blinkend tropfender Tau.
Herunter geprasselte Eicheln
sammeln sich Eichhorns Bau.
Herbstzeit ist.

Gefleckte Kastanienblätter
gehen taumelnd zu Boden.
Spaziergänger hüllen sich
in wärmende Loden.
Herbstzeit ist.

Wo es nichts mehr gibt
zu säen oder mähen,
messen sich im Übermut
flügelschlagende Krähen.
Herbstzeit ist.

Wenn fahl und matt
nur noch blinzelt die Sonn`,
gaukelt der Spätsommer
wie ein müder Falter davon.
Herbstzeit ist.

Späte Blüten
verfeuern ihr letztes Rot.
Wochen nur noch,
und die Natur scheint wie tot.
Herbstzeit ist.

Oktober 2006


Herbstmomente

die sonne, sie blinzelt
kraftvoll geht anders
spätsommers abschied
der frühherbst kommt
wespentänzchen
auf gefallenen mirabellen
äpfel schlagen auf
fallobst wartet
tautropfen glänzen
die sonne, sie blinzelt

September 2010

Advent

das ist der Perspektivwechsel …

… von der Hast zur Besinnung
… vom Rennen zur Ruhe
… vom Hecheln zum Atmen
… vom Tun zum Lassen
… vom Ehrgeiz zur Gelassenheit
…vom Planen zum Meditieren
… vom Unterwegssein zum Ankommen.
Advent heißt Ankunft,
verheißt: Gott wird einer von uns.

Advent 1992

Heilig Abend

Bis gestern noch
gehetzt, gehastet, gerannt;
gesucht, gewählt, gezahlt;
geputzt, gebacken, (auf-)geräumt;
weil doch Weihnachten ist.
Doch ermüdet
von Atemloseinkäufen,
von Schaufenstergeblink,
von Kassenschlangenverzweiflung,
von Billiglühweindüften,
von verfrühten Weihnachtsliedgeplärr
steh ich endlich ganz allein
unter dem dämmrigen Himmel,
auf dem Gang zum Kind.
Es ist Heilig Abend.

1999


Vom alten zum neuen Jahr

Das bald verflossene alte Jahr,
mal heiter, mal traurig, wie es war,
mit Hoch und Tief, vor allem Glück,
geht in den ewigen Kreislauf zurück.
Ein Jahr mit vielen schönen Tagen,
gelegentlich auch Niederlagen,
bewegt mich heute zum Jahresende,
ich leg’s getrost in Gottes Hände.

So schließt ein Jahr des Lebens sich,
ein neues öffnet sich für mich:
Erwartungsvoll will ich’s gestalten,
statt am Vergangenen festzuhalten.
Das ist mein Wunsch zum neuen Jahr,
geb Gott, dass manche Hoffnung werde wahr.

Silvester 2008

Suche – Sucht – Sehnsucht

Wonach sehnt es den Menschen?
Worin kulminiert sein Hoffen?
Ein erfülltes Leben „hier“
Getrösteter Abschied, wenn es Zeit ist.
Nicht endendes Leben „dort“.
Dum spiro, spero.
Suche wandelt sich in Hoffnung.
Sehn-Sucht.

Januar 2000

Sehnendes Träumen

Ich möchte
unter einem alten Baum
im Gras liegen,
im Ohr
das leise Rauschen der Blätter.

Ich möchte
am Strand des Meeres
den weiten Horizont absuchen,
im Auge
die fern vorbeiziehenden Schiffe.

Ich möchte
in der Ecke des Cafés
in vertrauter Lektüre blättern,
in der Nase
den Duft frisch gebrühten Kaffees.

Ich möchte
eins mit mir selbst
meinen Gedanken freien Lauf lassen,
im Gefühl
das Glück, das mich umarmt.

Juni 2007


Meer

Kommst du ans Meer
such dir einen leisen Ort
wo du mit ihm allein sein kannst.
Werd still und lausche.

Nimm tief in dir auf
das stete Klatschen der Wellen
die Brisen des böigen Windes
das Salzene auf den Lippen.

Atme tief ein und leicht wieder aus.
Lass deine Augen den Horizont suchen
wo ewiges Wasser und ewiger Himmel
ganz eins werden.

Ganz eins werden in sich selbst
Nichts mehr wollen müssen
nicht immer mehr immer mehr
Nur das Meer
das Meer.

Binz auf Rügen, Juli 2009


Weg in die Zukunft

Noch liegt er verborgen
Im Dunkel deiner Tage,
Dein Weg ins Morgen.
Doch geh ihn ganz ruhig,
Mit Weggefährten und Freunden,
Im Ausgleich von Anspannung
Und Entspannung,
Eins mit dir selbst.
Gott beschütze dich,
Er segne deine Schritte,
Dein Denken und Handeln.
Er schenke dir Erfüllung
Und Frieden.

2006


Der Kairos

Der Kairos [griech. καιρός] ist
der glückliche Moment.
der rechte Zeitpunkt,
die gute Stunde,
der günstige Augenblick,
der entscheidende Wimpernschlag.
Damit eine Arbeit, ein Werk, gelingt,
braucht es diesen Kairos.
Die bloße Absicht,
Wollen oder Auftrag
reichen für sich genommen nicht aus.

2012


Ein Moment nur

Für einen Moment nur
Staunend in einer alten Kirche stehen.
Einen Augenblick lang
Ganz eins werden
Mit den Steinen des Bodens,
Mit den Portalen und Mauern,
Den Fenstern und Bögen,
Mit oben und unten,
Himmel und Erde,
Mit Leib und Seele,
Drinnen und draußen,
Fremden hier und Freunden dort,
Mit Gott und Welt,
Geist in mir.
Einen Augenblick lang
Nichts als Sein,
Der Stille lauschen,
Atem holen.
Mensch sein,
Ewig sein.

Klosterkirche Bordesholm / Holstein, 2012